Die Milch macht’s! …oder nicht?

Neben dem Menschen gibt es kein weiteres Lebewesen auf der Erde, welches nach dem Abstillen bzw. der Entwöhnung weiterhin Milch trinkt. Und dann auch noch die Milch einer anderen Spezies. Aber warum tun Menschen das?

Auch ich habe über 20 Jahre Milch getrunken. Rohmilch. Das ist so üblich, wenn man auf einem Bauernhof aufwächst. Natürlich haben meine Eltern keine Milch im Supermarkt gekauft; wir hatten schließlich literweise ‚weißes Gold‘ zuhause.

Milch in der Werbung

Blicken wir einmal zurück, was die Werbung uns über Milch erzählt hat: ‚Milch macht müde Männer munter‘ oder ‚Milch ist gegen Maroditis‘. Na klar, wenn wir solche Sprüche ganz beiläufig immer wieder lesen oder hören, glauben wir daran. Irgendwann glauben wir wahrscheinlich auch daran, dass wir mithilfe eines Energy-Drinks fliegen können… Wir werden schon ganz schön an der Nase herumgeführt im täglichen Leben dank des guten Marketings.

Die Macht der Werbung: im Schnitt werden allein in Deutschland pro Jahr 300 Millionen Euro für Milchproduktwerbung ausgegeben. Wie wir feierlich verschaukelt werden, kannst du dir hier ansehen: Die Milchlüge

Wie entsteht Milch?

Ein weibliches Rind wird künstlich befruchtet. Sie trägt ihr Kalb etwa 9 Monate bis zur Geburt in sich. Diese Bindung  zwischen Mutterkuh und Kalb wird direkt nach der Geburt getrennt.
Die Mutterkuh ruft stundenlang, manchmal tagelang nach ihrem Kalb. Da eine Mutterkuh nur wenige Jahre Leistung bringen kann, sind weibliche Kälber für den Betrieb deutlich wichtiger, denn sie können ebenso für die Milchproduktion eingesetzt werden. Männlicher Nachwuchs von vielen milchgebenden Rassen setzen kaum Fleisch an, weswegen sie zur Mast kaum geeignet sind. Die Preise sind durch die Überproduktion so stark im Keller, dass ein Bullenkalb den Betrieb mehr kostet, als es einbringt. Für jede Mama ist die Vorstellung der Trennung grausam. Der Gedanke, dass einem nach der Geburt das Baby weggenommen wird ist eigentlich unerträglich. Diesen Schmerz muss die Mutterkuh jedes Jahr aufs Neue ertragen. Sie darf ihre Milch nicht ihrem Kalb geben. Ihr Kalb wird ihr weggenommen. Diese Sätze tun beim Schreiben weh. Denn das Schlimmste ist: wir Menschen tun das, weil wir Bock darauf haben und nicht, weil wir die Säuglingsnahrung wirklich brauchen zum Überleben.

Eine Kuh wird auf engstem Raum gehalten; wie eine Maschine. So lange, bis sie nicht mehr kann und ihre Leistung einbricht; dann wird sie getötet. Im Durchschnitt würde eine Kuh bis zu 25 Jahre leben können. Eine Milchkuh jedoch wird nach ca. 4-5 Jahren geschlachtet, weil sie durch dieses permanente künstliche befruchten in kurzer Zeit so viele Kälber gebären muss (wohl bemerkt, damit die Milchleistung möglichst konstant hoch bleibt), dass sie einfach nicht mehr kann. Während ihrer kurzen Lebenszeit ist die Kuh Dauerschwanger. In diesem Zustand wird sie auch permanent gemolken.

Traumvorstellung von Mutterkuh und Kalb
Bittere Realität

Abscheulich ist auch der Handel mit den Tieren, der Tiertransport in Drittländer, denn spätestens an der EU-Grenze enden die Tierschutzgesetze. Regelmäßig stehen in der sommerlichen Hitze bei um die 40 Grad Tiertransporter an Grenzen; manchmal tagelang ohne Versorgung der Tiere. Auch die Art der Tierschlachtung ist beispielsweise in Ägypten brutal, wo Arbeiter das junge Tier nach dem tagelangen Transport – entsprechend regionaler Gepflogenheiten – zur Schlachtung treiben, indem sie ihm die Beinsehnen durchschneiden und die Augen ausstechen. Tierqual durch Milchkonsum.

Die EU tut leider nichts gegen solche Grausamkeiten, trotz des Wissens über die Qualen, die die Tiere bei einem Transport erleiden müssen.

Milch und Gesundheit

Über eines ist sich die Fachwelt einig: Milchprodukte erhöhen das Risiko von Prostatakrebs.

Irrtümlicherweise wird heutzutage oft noch behauptet, dass Milch wegen des Calciums gut für starke Knochen sei und besonders zur Vorbeugung von Krankheiten wie Osteoporose helfen könne. Laut Centrum der Gesundheit heißt es: Wer viel Calcium konsumiert kann unter Umständen seine Knochen schwächen, statt sie zu stärken. 
Calcium ist ein Mineral, das aus dem Boden kommt. Die Kuh nimmt es auf durch das Futter.

Milch und Milchprodukte sowie Fleisch übersäuern den Körper. Um die Säuren zu neutralisieren, braucht der Körper Mineralstoffe, die er wiederum aus Knochen und Zähnen zieht. Anstatt unsere Knochen zu stärken, werden sie also geschwächt. Hier ist die wissenschaftliche Literatur zum Thema Übersäuerung zusammengefasst.

Die Zusammensetzung der Kuhmilch ist schlichtweg für wachsende Kälber ausgelegt in ihren Nährwerten. Wir Menschen sind keine Kälber, von daher erklären sich diverse Unverträglichkeiten und Probleme, die Kuhmilch beim Einzelnen auslösen können, von allein. Der Forscher Prof. Dr. Melnik warnt vor einem hohen Milchkonsum, da die Milch für ein schnelles Wachstum der Kälber gemacht ist, also artspezifisch, und fast dreimal so viel Eiweiß wie menschliche Muttermilch hat. Er bringt den überhöhten Milchkonsum von klein an in den direkten Zusammenhang mit Zivilisationskrankheiten wie Diybetes mellitus Typ 2.

Mediziner und Veganismus-Verfechter Dr. Markus Keller errechnet mit seinem Team: Milch ist auf jeden Fall sehr calciumreich. Die Bioverfügbarkeit von Kuhmilch liegt bei 31 Prozent. Die Bioverfügbarkeit von Calcium in Mineralwässern (zwischen 24 und 48%) und angereicherten Pflanzendrinks (Sojadrink z.B. 36%), sowie in Leinsamen und Chinakohl (32%) ist ebenfalls bestens. Es muss also nicht unbedingt Milch sein.

Die Kuh damals und die Turbo-Kuh heute

Die Kuh wurde vom Menschen genetisch verändert, soviel steht fest. Das allseits bekannte schwarz-weiße Holstein-Rind wurde über Jahre hinweg so hochgezüchtet, dass es im Vergleich zu den 1920er Jahren heute bis zu vier Mal so viel Milch wie damals produziert. Eine ‚normale‘ Kuh hat eine Lebenserwartung von rund 25 Jahren. Unsere überzüchteten und in Gefangenschaft lebenden Tiere sind heute nach maximal fünf Jahren jedoch so ausgezehrt, dass sie für uns nicht mehr genug Leistung bringen und zum Schlachter kommen. Die permanenten Schwangerschaften und Produktion von Milch kostet das Tier mehr Energie, als sie durch Futter aufnehmen kann, der Hochleistungszwang bringt das Tier auch gesundheitlich an seine Grenzen.

Kühe samt Milchertrag und Futtermenge unter ständiger Kontrolle – für noch mehr Leistung

Das Grasen draußen auf der Weide ist heutzutage kaum noch denkbar. Zum einen kostetet es den Betrieb zu viel Zeit, die Herde zum Melken immer wieder reinzuholen und zum anderen braucht die moderne Milchkuh mehr Energie. Durch Gras allein könnte die Kuh nicht genug Leistung bringen. Im Stall wird daher mit Kraftfutter nachgeholfen. Die Kühe stehen eng zusammen auf Beton-Spaltenböden. Da sie permanent durch den Kot und Urin der Herde laufen, wird auch hier vorsorglich mit einem chemischen Fußbad gegen Krankheiten gekämpft – so war es zumindest bei uns auf dem Hof der Fall.

Milch und Klimawandel

Der Großteil der Landwirte wirtschaftet oft unter dem Existenzminimum, während Molkereien und Konzerne die dicke Kohle scheffeln. Der weltweit größte Milchverarbeiter ist der Schweizer Konzern Nestlé. Der immense Preisdruck zwingt die Landwirte in die Knie; so wird immer mehr Milch produziert, immer mehr Kälber geboren und immer mehr ausgemergelte Tiere landen in den Schlachthöfen. Auch die Umwelt leidet unter dieser Massenproduktion, wie schon im Jahr 2006 die amerikanische Ernährungsbehörde FAO deutlich machte. So seien 14,5 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen durch den Tierhaltungssektor verantwortlich. Zum Vergleich: 13 Prozent gehen auf das Konto des weltweiten Verkehrs.

Die Milchpreise werden vom Handel extrem gedrückt. Der einzelne Bauer hat keine andere Wahl, als zum Unternehmer zu werden. Nur noch die Masse zählt. Wer sich nicht vergrößert und weiterentwickelt, hat keine Chance zu überleben. Die Nachfrage nach Milch ist einfach zu groß. Mehr Milch bedeutet: mehr Kühe mit besserer Leistung. Dies kann man nur künstlich erzeugen. Die Kühe bekommen spezielles Futter, unter anderem Soja aus Regenwaldgebieten. Ein Ökologisches Desaster!

Importiertes Soja und Getreide aus beispielsweise Südamerika sorgt für die Rodung von Regenwald und nimmt Kindern in Afrika ihr Essen – alles für unsere Tiere. Mehr Tiere bedeutet auch gleichzeitig mehr Gülle. Mehr Gülle = mehr verunreinigtes Grundwasser. Ein Liter Milch verursacht rund drei Liter Gülle. Kohlendioxid und das noch klimawirksamere Lachgas steigt aus dem Boden auf und die stark überhöhten Nitratwerte im Grundwasser schlagen Alarm. Nitrat ist gerade für Schwangere und Kinder eine Gefahr. Deutschland wurde bereits von der EU-Kommission verklagt, weil die Behörden nicht genug gegen das Gesundheitsrisiko einschritten.

Milch around the world

Milliardenschwer – Das System Milch. In dem Dokumentarfilm Das System Milch aus dem Jahr 2017 wird eindrucksvoll und erschreckend zugleich darüber berichtet, wie stark der europäische Milchmarkt ist.

Das, was wir in Europa seit Jahren schlecht vorgelebt haben, ist mittlerweile auf andere Kontinente übergeschwappt:

50.000 deutsche Milchkühe – mitten in der Wüste. Ohne 24-Stunden-Wasserversorgung und permanenten Sprühnebel und ohne tägliche Futterimporte aus aller Welt würden diese Tiere nach nur 1-2 Tagen verenden. Kühe sind keine Wüstentiere. Sieh‘ dir hier den kompletten Wahnsinn an.

Bitte vergiss‘ niemals: hinter allem steckt ein Lebewesen, dass unglaublich gequält wird für unseren Genuss. Die Kuh ist das schwächste Glied in der Milchproduktion und wird durch Zucht ständig optimiert. Wir sind für eine gesunde Ernährung nicht darauf angewiesen dieses Leid zu fördern; sollten wir also?!

Halten wir mal fest:

  • Milch ist Säuglingsnahrung für die Nachkommen der Kühe, die jedoch nach der Geburt ihrer Mutter weggenommen werden und mit Milchpulver großgezogen werden
  • Milch beinhaltet Inhaltsstoffe wie Gesättigte Fettsäuren, Hormone, Transfette, Rückstände von Eiter und Blut
  • Milch enthält Wachstumshormone
  • Kühe werden jedes Jahr künstlich befruchtet, um Kälber zu gebären, damit sie permanent Milch geben
  • Milchkühe sind nach ca. fünf Jahren so ausgelaugt, dass sie nicht mehr profitabel genug sind und aussortiert werden. Eine Kuh kann ohne Missbrauch des Menschen jedoch 25 Jahre alt werden
  • Ein männliches Kalb ist ein ‚Abfallprodukt‘ in der modernen, hocheffizienten Milchwirtschaft und wird oft nach kurzer Zeit geschlachtet
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht in Kuhmilch eines der „wichtigsten Allergie auslösenden Lebensmittel im Kindesalter“
  • Bei Vorliegen einer familiären Neigung (Atopie) könne es infolge einer Nahrungsmittelallergie zu Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma bronchiale kommen
  • Durch Massentierhaltung wird unser Grundwasser verseucht, ärmere Länder ausgebeutet, der Regenwald gerodet

Quellen und Infos:

Bauernhofidylle oder Realität?

Hintergründe in der Milchindustrie

Was passiert mit männlichen Kälbern?

Ist Kuhmilch gesund?

Wohin mit den Tieren aus der Überproduktion?

Die Milchindustrie (Textauszüge VEGAN WORLD Heft 01/2018)

Hier siehst du noch einmal kurz zusammengefasst die 12 Gründe, warum Milch nicht gesund ist.

Hast du bis hier durchgehalten? Alle Achtung! Das Thema Milch ist sehr komplex und hier nur grob zusammengefasst. Ich hoffe dennoch, du konntest etwas für dich mitnehmen. Wie denkst du über das Thema? Milch ja oder nein? Wie ist deine Meinung? Trinkst du (noch) Milch?

Bitte folgt uns und gebt uns einen Daumen hoch - Danke! 🙂

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