Magst du O-Saft zum Frühstück?

Wir auch! Orangensaft: wer mag ihn nicht? Aber DAS hätten wir nicht erwartet:

ÖKO-TEST hat in der April-Ausgabe 2018 Orangensaft getestet und in der Februar-Ausgabe 2019 die Früchte selbst. Beim Kauf sollte man einiges berücksichtigen. Ob frische Orangen oder fertiger Saft: man muss schon genau hinsehen, um festzustellen, dass nicht alles gesund oder fair ist.

Bewertet wurden nicht nur der Geruch, das Aussehen und der Geschmack, sondern auch die Verpackung, das Label (zum Beispiel faire Arbeitsbedingungen, Einsatz von Pestiziden) und die Angaben auf den Verpackungen.

Der größte Teil des in Deutschland angebotenen konventionellen Orangensaftes kommt aus Brasilien. Der ursprünglich größte Produzent von Bio-Orangensaft stammte ebenfalls aus Brasilien, jedoch verlor er seine Zertifizierung, weil er gegen das Pestizid-Verbot verstoß. Heute sitzt der größte Produzent in Mexiko. Kleinere Anteile kommen aus Spanien und Ägypten als Direktsaft.

‚Unser‘ O-Saft kommt meistens aus Südamerika, die Früchte aus Südspanien

Die Orangen, die wir in unseren deutschen Supermärkten kaufen können, stammen überwiegend aus Südspanien. Die Pflücker sind oftmals Tagelöhner aus Afrika, die dort unter unvorstellbar schlechten und unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten. Strom und fließendes Wasser gibt es nicht, die Hütten sind eigens zusammengebaut aus alten Paletten und Müll. Plastikplanen schützen vor Regen. Die Provinz Almeria in Andalusien ist Europas größte Produktionsstätte von Obst und Gemüse. Hier hat der Bayerische Rundfunk die Missstände gefilmt und einen Dokumentarfilm gedreht: ‘Europas dreckige Ernte: Das Leid hinter dem Geschäft mit Obst und Gemüse.‘

Die vier deutschen großen Supermarkt-/Discounterketten Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarzgruppe (Lidl und Kaufland) teilen sich in Deutschland etwa 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. Sie diktieren und drücken die Preise gegenüber den Erzeugern, damit wir schön billig einkaufen können. Somit tragen sie maßgeblich dazu bei, dass auf den Plantagen weltweit Hungerlöhne gezahlt werden, die Arbeiter unter Planen auf den Feldern schlafen müssen ohne ausreichend Nahrung und Wasser. Die Deutschen sind mit dem Preisdruck am Härtesten.

Um solche menschenunwürdigen Maßnahmen nicht auch noch zu unterstützen, ist es wichtig, dass wir Verbraucher beim Einkaufen die Augen offenhalten! Siegel können zumindest ein wenig dabei helfen. Fairtrade und Rainforest Alliance bedeuten jedoch nicht automatisch, dass das Produkt besser ist. Die Anwendung von Pestiziden ist hier nicht auszuschließen, solange es sich um konventionelle Säfte handelt. Anders ist es bei Bio-Säften. Das EU-Bio-Siegel schützt die Arbeiter und die Umwelt durch ein generelles Pestizid-Verbot und wird extern kontrolliert. Leider schreibt es keine fairen Arbeitsbedingen vor. Mit der Bio-Marke Demeter, deren Standards über das EU-Bio-Siegel hinaus gehen, werden soziale Kriterien zumindest berücksichtigt.

Heftig: bei den frischen Früchten aus konventionellem Anbau schnitten alle schlecht ab und wiesen gefährliche Rückstände von Pestiziden auf, die international als krebserregend eingestuft werden, schädlich für das Hormonsystem oder stark bienengiftig sind. Daher gilt: behandelte Orangen vor dem Schälen oder pressen unbedingt warm abwaschen und gut abtrocknen oder besser noch direkt zur Bio-Orange greifen. Die meisten Bio-Orangen sind nämlich einwandfrei und erfüllen die Umwelt- und Sozial-Kriterien.


Zwei Orangen können den Tagesbedarf an Vitamin C decken. Aber Achtung: konventionelle sind stark mit Pestiziden belastet

Gesund nur in Maßen: lt. ÖKO-TEST enthält Orangensaft rund 90 Gramm Fruchtzucker je Liter und konkurriert annähernd mit Coca-Cola. In Maßen ist der beliebte O-Saft aber gesund, denn er ist reich an Vitamin C, Kalium und Folsäure. Frisch gepresst kann der Anteil von Vitamin C jedoch doppelt so hoch sein, als im abgepackten Saft. Außerdem können bereits zwei frische Orangen den Tagesbedarf an Vitamin C decken. Vitamin C ist gut für unsere Abwehrkräfte, stärkt das Bindegewebe und hilft dabei, pflanzliches Eisen besser aufzunehmen.

Die Einwegflaschen-Säfte – egal ob Glas oder Kunststoff – haben deutliche Punktabzüge bekommen, da sie sich laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg nicht hochwertig recyceln lassen. Getränkekartons hingegen sind gut wiederverwertbar.

Die uns bisher bekanntesten, die auch in der Fernsehwerbung immer wieder auftauchen, haben erstaunlich schlecht abgeschnitten. Valensina Frühstücks-Orange bekam das schlechteste Testurteil ungenügend; viele weitere, darunter auch der Orangensaft von Aldi-Nord, Hohes C, Gut und Günstig, Ja! oder Granini wurden mit mangelhaft bewertet.

Viel Werbung und nichts dahinter – nur wenige Orangensäfte sind wirklich gut!

Als gut hingegen wurden z.B. die Orangensäfte von Pfanner, Alnatura und Voelkel bewertet.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, zu Bio-Produkten zu greifen, weil somit der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden ausgeschlossen werden kann und bestenfalls fairere Arbeitsbedingungen als im konventionellen Anbau zu erwarten sind. Dies gilt sowohl für abgefüllte Säfte als auch für die Orangen selbst.

Du entscheidest bei deinem Einkauf also nicht nur für oder gegen deine Gesundheit, sondern auch für oder gegen die Umwelt und die Menschen, die zu deinem Genuss beitragen.

Bitte folgt uns und gebt uns einen Daumen hoch - Danke! 🙂

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